Das Dolmetscher-Barcamp in Hamburg oder: Was Mozart, Apps und Zerowaste gemeinsam haben

Einige Wochen ist es bereits her, da habe ich mich in meine alte Heimat nach Hamburg zum Dolmetscher-Barcamp begeben, um dort mit knapp 50 weiteren Dolmetscherinnen und Dolmetschern aus ganz Deutschland zu netzwerken, zu diskutieren und sich auszutauschen.
dolbarcamp

Wem das Konzept eines Barcamps — auch "Unkonferenz" genannt — als Weiterbildungsformat fremd ist, dem sei es in aller Kürze erklärt: Gleichgesinnte treffen sich an einem Ort, um dort ihr Wissen in einem offenen Konferenzformat auszutauschen, aber im Gegensatz zu einer klassischen Tagung gibt es keine reinen Zuhörer. Alle Anwesenden sind aktive Teilgeber und auch das Programm wird erst vor Ort zusammengestellt, und zwar anhand der Ideen und Vorschläge der Teilgeberinnen und Teilgeber. Welche Idee es letztendlich in eine Session schafft, wird von den Barcampern vor Ort entschieden. Und wem das jetzt zu kurz und knapp war: Das Orga-Team des Dolmetscher-Barcamps hat das Konzept auf der eigenen Website nochmal schön zusammengefasst.

Meine Sessions


Zwei Session-Ideen hatte ich bereits im Kopf, als ich im Zug von Karlsruhe nach Hamburg saß:

  • Atem- und Stimm-/Singübungen mit anschließendem Einstudieren eines Mozart-Kanons, denn das Singen ist eine fast ebenso große Leidenschaft von mir wie das Dolmetschen und eine gesunde Stimme das A und O für uns Spracharbeiter.
  • Apps und Tools für Dolmetscher u. a. zur Reiseplanung, Passwörterverwaltung und Datensicherung, denn wer in meinem Blog schon ein bisschen gestöbert hat, weiß, dass ich mich gerne mit dem Thema beschäftige.
Eine weitere Idee hatte ich dann recht spontan in Hamburg, vielleicht ja, als ich mal wieder die vielen Menschen am Bahnhof mit ihren nicht-recycelbaren Coffee-to-go-Bechern sah:

  • Plastikfrei arbeiten (und leben), denn wir alle produzieren viel zu viel Müll und gerade unterwegs — und wir Dolmetscher sind viel unterwegs — wird der Müllberg meist noch größer.
Womit ich nicht gerechnet hatte: Alle meine drei Vorschläge stießen bei meinen Mitstreitern auf Zustimmung, was dazu führte, dass ich an dem Wochenende eine vielbeschäftigte Session-Leiterin mit äußerst engagierten sowie sing- bzw. diskussionsfreudigen Kolleginnen und Kollegen war.

Blog-Gastbeitrag


In einer der zahlreichen, zeitlich großzügig bemessenen Pausen kam dann noch meine Kollegin Caterina Saccani auf mich zu und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, zum Thema Plastikvermeidung auf Reisen einen Gastbeitrag für Ihren Blog zu schreiben. Dieser würde sich thematisch perfekt in ihren Blog über Nachhaltigkeit, Bio und Naturkost einfügen. Gesagt, getan! Kurz nach Ende des Barcamps habe ich also nochmal meine Gedanken dazu sortiert und virtuell zu Papier gebracht. Das Ergebnis findet sich hier.

Viel Spaß beim Lesen, Nachdenken und Kommentieren!

PS. Die Ergebnisse unserer gesanglichen Bemühungen sind übrigens auf den diversen Social-Media-Kanälen des Dolmetscher-Barcamps unter @dolbarcamp zu finden.

Ein dichterischer Gruß zum Jahresende

2018

Im Schloss, im Museum, im Maschinenwerk
Menschen zu helfen, miteinander zu reden
Das ist es, wonach wir Dolmetscher streben
So viele Orte und Menschen, die ich mir merk‘

Übersetzte Bücher: zwei an der Zahl
Wenn die Seiten dann letztendlich gedruckt
und ich in den Händen halte das fertige Produkt,
ist mir wieder einmal klar: Das ist der Beruf meiner Wahl

Auch in diesem Jahr dolmetschte ich
konsekutiv, flüsternd und simultan
Das Licht am Mikrofon geht an
Für mich das klare Zeichen: sprich!

Urkunden, Notare und bei Gericht
auch das gehört zu meinem Geschäft
Sie dürfen nicht fehlen — das wär‘ nicht gerecht
Drum erwähne ich sie gerne in diesem Gedicht

Mehr kann ich hier leider nicht preisgeben
Der DSGVO sei dank
Denn was ich auf keinen Fall will, ist Zank
mit Ihnen, meinen geschätzten Kunden und Kollegen!

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2019.

Ihre
Michaela Haller
von Sprachlicht

Passwortmanager - ein unverzichtbares Tool

Wissen Sie, bei wie vielen Online-Portalen, Internetdiensten und Web-Shops – sei es geschäftlich oder privat – Sie jemals ein kennwortgeschütztes Konto angelegt haben? Ich komme auf sage und schreibe 85. In Worten: fünfundachtzig. Woher ich das so genau weiß? Mein Passwortmanager hat es mir eben verraten. Den überwiegenden Teil dieser Kennwörter habe ich nicht im Kopf (wie auch?) und ich erinnere mich auch nicht bei jedem Account daran, welche E-Mail-Adresse ich für die Anmeldung verwendet habe oder ob ich doch einen kryptischen Benutzernamen vergeben habe. Das kann mir glücklicherweise aber auch egal sein, denn mein Passwortmanager kann sich das alles mühelos merken, vorausgesetzt, ich erinnere mich an das eine Master-Passwort, mit dem sich der Tresor mit meinen Datenschätzen öffnen lässt.

Passwortmanager gibt es mittlerweile wie Sand am Meer: LastPass, RoboForm, KeePass, Dashlane, 1Password (und wie sie alle heißen) sind nur einige Beispiele. Einige sind eher für Windows-Betriebssysteme geeignet, andere wiederum sind für Mac-User interessant. Es gibt welche, für die nur eine einmalige Lizenzgebühr fällig wird, bei anderen muss ein Abo abgeschlossen werden. Doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie erleichtern uns das Leben und erhöhen unsere Sicherheit, wenn wir im World Wide Web unterwegs sind.

1Password

Wie funktioniert's? Kombinationen aus Nutzername und Passwort werden im Tresor gespeichert, der durch ein möglichst langes und kompliziertes Master-Passwort gesichert ist. Statt unzähliger Kombinationen aus Benutzername und Passwort muss man sich zukünftig also nur noch ein starkes Passwort merken. Darüber hinaus lassen sich in vielen Passwortmanagern auch Kreditkartendaten, Server-Zugangsdaten und Lizenzdateien abspeichern sowie sichere Notizen hinterlegen. Und damit man sich bei der Vergabe von Passwörtern nicht selbst kreativ austoben muss (12345 ist kein sicheres Passwort!), verfügt jeder gängige Passwortmanager auch über einen entsprechenden Generator, mit dem sich Kennwörter bestehend aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen mit nur einen Klick erstellen lassen.

Es ist sicher nicht leicht, sich bei der großen Auswahl für einen Passwortmanager zu entscheiden. Ich nutze seit mehreren Jahren 1Password und bin nach wie vor sehr zufrieden damit. Die einschlägigen Computermagazine stellen immer mal wieder die verbreitetsten Kennwortverwalter auf die Probe, so zum Beispiel kürzlich auch die Mac & i. Schauen Sie sich in Ruhe um und entscheiden Sie dann, welches Programm Sie in puncto Sicherheit, Komfort und Preis überzeugen kann. Der Umstieg lohnt sich!

Sprachlicht bei Twitter - eine erste Bilanz

Lange hatte ich mich gesträubt: "Nein, ich brauch das nicht." - "Wozu soll das gut sein?" - "Och nee, nicht noch ein Social-Media-Profil." Etwas abschätzig (aber auch ein kleines bisschen neiderfüllt) hatte ich 2014 beim FIT-Kongress in Berlin noch das Grüppchen am Biertisch mit dem Twitter-Fähnchen betrachtet, wie sie da alle auf ihren Smartphones herumtippten und sich zwischendurch von Tweets, Retweets, Hashtags und Kommentaren berichteten. Den Reiz konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich hab mich dann trotzdem dazugesetzt. Aber auch wenn ich physisch Teil der Gruppe war, virtuell war ich es nicht. Vier Jahre später gehöre ich als @sprachlicht nun doch zur Twitter-Familie, auch wenn ich längst noch nicht alle nahen und entfernten Verwandten kennengelernt habe.

FirstTweet

Eingerichtet hatte ich mein Twitter-Konto zwar gezwungenermaßen bereits 2016 für meine deutsche Übersetzung des Buchs "Windows 10 Alles-in-einem-Band" der "Für Dummies"-Reihe, in dem ein Unterkapitel Twitter gewidmet war. Doch lag es lange Zeit brach. Am 31. Januar 2018 habe ich es aus seinem Dornröschenschlaf geweckt: iPhone-App installiert, Hintergrundbild ausgewählt, Profilbild geändert und dann "Twittern" gedrückt. Meine Bilanz in Zahlen nach 3 Monaten Gezwitscher: 49 Tweets (50, sobald ich diesen Blog-Beitrag poste), 44 Follower und 69 Likes (also, Tweets, die mir gefallen). Okay, das ist noch ausbaufähig, aber ich bin ja auch noch ein Newbie.

Was sind meine großen Twitter-Erkenntnisse?

  • Tweets mit Bildern von #Kuchen stehen ganz hoch im Kurs
  • Lustige #Bahnansagen bekommen aber noch weitaus mehr Aufmerksamkeit
  • Ich gehe mit anderen Augen/Ohren durch's Leben: "Oh, das wäre ein toller Tweet…", denke ich in letzter Zeit oft bei mir.

Tweet_Kuchen TweetICE

Und was bringt mir meine Twitter-Aktivität?


  • Die #Dolmetscher und #Übersetzer sind fleißige Twitterer: Auch wenn ich manche meiner Kollegen nur ein- oder zweimal im Jahr sehe, bin ich vielen von ihnen doch ganz nah. #xl8 #terplove #1nt
  • Meinem Berufsverband, dem #BDÜ, fühle ich mich noch mehr verbunden. Einfach klasse, dass da auch so fleißig getwittert wird. #gemeinsamsindwirstark

Mein Fazit:
Twitter macht Spaß, Twitter kostet Zeit, Twitter sorgt für Gesprächsstoff – ich bleibe dabei!

Mein Mac und ich (Teil 1): Wie ich zum Mac kam

Der aufmerksame Leser hat es eventuell schon gemerkt, aber für alle, denen es noch nicht aufgefallen ist: Ich bin Mac-Userin aus Leidenschaft. So gut wie alle meine Arbeitsgeräte (Eingabegeräte wie Tastatur und Maus mal ausgenommen) tragen auf ihrer Rück- oder Oberseite den weltberühmten angebissenen Apfel. Im ersten Teil dieses zweiteiligen Blog-Beitrags erzähle ich Ihnen, wie ist es dazu kam. Was hat mich dazu bewogen, auf Apple zu setzen? Und da die Frage "Windows oder Mac?" oft allzu schnell in eine ideologische Grundsatzdiskussion ausartet, möchte ich es mit einem persönlichen Ansatz versuchen.

Macintosh_SE
Ein kurzer Blick zurück in meine Computer-Sozialisierung hilft dabei, meine Zuneigung zu Apple-Geräten zu verstehen. Ein Mac ist für mich immer schon ein völlig normaler Computer gewesen. In einer Zeit, in der Computer noch die Größe eines Kleinmöbels hatten, stand im Arbeitszimmer meiner Eltern ein kleiner Macintosh SE. Und was für einer! Meine Mutter nannte ihn nur "die Dose" (ein Seitenhieb auf DOS, der ihr höchstwahrscheinlich nicht einmal bewusst war), Mac-Nostalgikern ist er eher als "Knubbelmac" bekannt. Der Macintosh war ein kleiner grauer Würfel, der – revolutionär – Rechner und Monitor in einem beherbergte. Lange war mir nicht klar, dass dies nicht unbedingt die Regel war. Ausgestattet war er mit zwei Diskettenlaufwerken, Maus, Tastatur und einem Drucker. Und was war das für eine Wundermaschine! Mit einem aufgerüsteten Arbeitsspeicher von 2 auf 4 MB RAM blieben keine Wünsche offen. Nach dem Einschalten erschien bereits nach einigen Minuten verheißungsvoll das Wort "Willkommen!" auf dem Bildschirm. Mein Lieblingsspiel war Shufflepuck und Texte schrieb man natürlich stilecht mit RagTime (vorausgesetzt man fand die passende Diskette). Es gab eigentlich nur ein Problem: Wir waren mit nichts und niemandem kompatibel. Disketten mit Textdokumenten austauschen: Keine Chance. Heute sieht das natürlich ganz anders aus, aber dazu mehr im zweiten Teil dieses Blog-Beitrags.

Irgendwann war aber auch unser geliebter Familien-Mac nicht mehr auf der Höhe der Zeit, wurde auf den Dachboden verbannt und durch einen monströsen Rechner mit Windows 95 (später 98) und flackerndem Monitor ersetzt. Darauf konnte man jetzt Solitär spielen, Dokumente mit Word erstellen und über Modem im Internet recherchieren. Und da Wikipedia zu der Zeit noch nicht erfunden war, schaut man zunächst bei der Enzyklopädie Encarta vorbei. Auch während meines Studiums wäre ein Mac-Rechner für mich völlig unerschwinglich gewesen. Da sich ein ausrangierter Laptop mit Windows 98 nicht mehr mit dem Uni-WLAN verbinden konnte, gab es also meinen ersten eigenen Laptop von Fujitsu Siemens mit Windows XP. Er begleitete mich mein gesamtes Übersetzungsstudium, ließ mich während meiner BA-Arbeit nicht im Stich, überlebte meine Unbedarftheit im Umgang und sogar ein Glas Orangensaft, das ich über der Tastatur vergoss. Als dieser Laptop nach vier Jahren das Zeitliche segnete, kaufte ich mir meinen letzten Windows-Rechner, einen Laptop in Klavierlackoptik aus dem Hause Dell und Windows 7 als Betriebssystem. Er funktionierte zwar ganz passabel, doch so richtig konnte ich mich nie mit Windows anfreunden. Als sich mir nach Abschluss meines Master-Studiums die Gelegenheit bot, auf ein MacBook Air umzusteigen, überlegte ich daher nicht lange. Ich wagte den Umstieg und habe es seitdem nicht einen Tag bereut. Das MacBook von damals leistet mir auch heute noch gute Dienste. Bis auf einen etwas schwächelnden Akku, läuft es tadellos. Insbesondere beim Dolmetschen in der Kabine ist dieses flache, kleine und leise Gerät nach wie vor sehr praktisch. Es musste zwar vor etwa zweieinhalb Jahren seine Rolle als Hauptrechner abgeben und einem Mac mini mit mehr Festplatten- und doppeltem Arbeitsspeicher Platz machen, doch wie sagt man so schön: Die Mischung macht's.

Sind Sie neugierig, was aus "der Dose" geworden ist? Lange Jahre fristete sie inklusive Zubehör und einer Kiste voller Disketten ihr Dasein auf dem Dachboden zwischen Wintermänteln, Wanderschuhen und Weihnachtsschmuck. Aber da dies ein unwürdiger Ort für dieses Stück Computergeschichte war, sollte der Macintosh ein neues Zuhause finden. Glücklicherweise sollte er einen Platz in einem Museum bekommen. Doch wie wir da alle um ihn herumstanden, nachdem wir ihn vom Staub der Jahre befreit hatten, wurden wir neugierig. Ob er wohl auch nach fast zwanzig Jahren noch funktionieren würde? Also hieß es: Stecker rein, anschalten und abwarten. Und siehe da: Als wäre die Zeit stehen geblieben, wurden wir mit einem freundlichen "Willkommen!" begrüßt. Ich habe dann noch schnell eine letzte Runde Shufflepuck gespielt (die Diskette habe ich natürlich sofort gefunden), bevor wir ihn endgültig ausgeschaltet haben.

Im zweiten Teil beschäftige ich mich vor allem mit den Fragen: Ist ein Leben, oder vielmehr ein Arbeiten ohne Windows, ja gänzlich ohne Microsoft, möglich? Ist es erstrebenswert? Und welche Vor- und Nachteile hat meine Entscheidung? Bleiben Sie dran!

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Macintosh_SE.jpg