Volksfest

Der Hamburger Dom - Kirmes statt Kirche

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Süddeutsche wundern sich möglicherweise, dass die Hamburger so oft ihren „Dom“ besuchen. Sogar aus ganz Norddeutschland kommen die Besucher dreimal im Jahr in die Hansestadt geströmt, um ihm einen Besuch abzustatten. So fromm wie es scheint sind die Norddeutschen allerdings gar nicht. Der Dom „steht“ zwar auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg, es geht dort aber alles andere als heilig zu: laute Diskomusik statt Orgelklänge, neonfarbenes Lichtgewitter statt Kerzenschein und bunte Slushies statt Messwein. Auf dem Hamburger Dom bekreuzigen Sie sich höchstens in der Geisterbahn. Ganz genau: DOM = größter Jahrmarkt (Kirmes, Rummel, Kerwe oder wie das eben in Ihren Breitengraden genannt wird) Norddeutschlands. Dreimal im Jahr - Frühling, Sommer und Winter - knabbert der Hamburger dort an Lebkuchenherzen und meterlangen Lakritzschlangen, trinkt je nach Jahreszeit kühles Alsterwasser (in anderen Teilen Deutschlands übrigens als Radler bekannt) oder heißen Glühwein und steigt in halsbrecherische Fahrgeschäfte.

Doch warum heißt das Hamburger Volksfest so wie andernorts nur große Sakralbauten? Um das zu verstehen, muss ich mit Ihnen in der hamburgischen Stadtgeschichte einen kleinen Schritt zurück gehen. Im Jahr 831 - zugegeben, so klein ist der Schritt gar nicht - wurde das Erzbistum Hamburg gegründet. Bischof Ansgar ließ bald eine Kirche errichten, die Domkirche St. Marien. Der Bau wurde über die Jahrhunderte erweitert, im Zuge der Reformation allerdings verlor er immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich im Jahr 1804 abgerissen. Ab dem 11. Jahrhundert diente der Dom als Zufluchtsort für Händler und Handwerker vor dem berüchtigten Hamburger Schietwetter (aber auch nur dann!). Über die Jahre entwickelte sich daraus ein bunter Markt. Nach Abriss des Doms verteilte sich der Markt auf verschiedene Plätze in der Innenstadt, aber der Name „Dom“ blieb erhalten. Aufgrund des Ausbruchs der Cholera Ende des 19. Jahrhunderts durfte der Dom nicht mehr in der Innenstadt stattfinden und wurde auf das Heiligengeistfeld im Stadtteil St. Pauli ausgelagert, wo er bis heute seinen Platz hat.

Und nun meine persönlichen Tipps für Ihren (ersten) Dombesuch:

  • Nehmen Sie genügend Bargeld mit: Eintritt zu den Fahrgeschäften, XXL-Zuckerwatte, kandierte Früchte, Fischbrötchen - all das will bezahlt werden!
  • Steigen Sie in das Riesenrad: Sie werden mit einem wunderschönen Blick über Hamburg belohnt.
  • Gehen Sie im Dunkeln auf den Dom: Die Lichter der Fahrgeschäfte sorgen so für die richtige Atmosphäre.
  • Nehmen Sie einen Regenschirm mit (ich sag’s ja nur ...).
  • Sparen Sie sich die Fahrt in der großen Achterbahn bis zum Ende auf. Sie möchten vielleicht sonst gleich wieder nach Hause.
Der nächste Winterdom findet übrigens vom 4.11.16 bis zum 4.12.16 statt. Viel Spaß!