Leben südlich des Lakritzäquators

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Der Weißwurstäquator ist ja den meisten Menschen ein Begriff, auch wenn seine geografische Lage einigen Schwankungen unterliegt, je nachdem, wen man fragt. Fragt man einen Altbayern, ist der Äquator die Donau, fragt man alle Bayern, scheint es der Main zu sein. Überall jenseits des Mains wird Weißwurst eher misstrauisch beäugt. Zu diesen Menschen gehöre übrigens auch ich. Aber das nur am Rande.

Es gibt allerdings neben dem Weißwurstäquator noch eine weitere Grenze, die Nord- und Süddeutschland trennt und laut Angaben namhafter Lakritzhersteller ebenfalls ungefähr am Main verläuft (auch wenn sie meinem Gefühl nach viel, viel weiter nördlich liegt): der Lakritzäquator. Beim Lakritzhersteller SALMIX® heißt es z. B. auf der Website: „Es gibt große Unterschiede in der Beliebtheitsskala von Lakritz zwischen Nord und Süd. Im Norden an den Küsten und in den Hansestädten sind Lakritze - ob süß oder salzig - ein Ganzjahres-Klassiker, beliebt bei Jung und Alt. Im Süden werden süße Weichlakritze geschätzt, aber die intensiveren Varianten haben es schwer in bayrischen Gefilden.“ Tja, und das nicht nur in Bayern ...

Wenn ich auf dem Weg in den Süden durch den Elbtunnel durchgefahren bin und die Autobahnraststätte Hamburg-Harburg hinter mir gelassen habe, beginnt für mich die Lakritz-Wüste. Es gibt dann einfach kein richtiges Lakritz mehr. Richtiges Lakritz ... das schmeckt ganz einfach nach Strand, Deichen und Meer, ist salzig, rau, herb und enthält ganz viel Salmiak. Zur Klarstellung: Lakritzschnecken sind für mich kein richtiges Lakritz. Nein, südlich der Elbe (und da beginnt für den Hamburger bekanntermaßen bereits Süddeutschland) wird diese Leckerei aus Holland und Skandinavien von vielen Menschen verschmäht. Woran liegt das bloß? Ich weiß es nicht und kann es mir nicht erklären. Ich weiß nur, dass es mir fehlt.

Immer wenn ich in Hamburg bin, fülle ich übrigens meine leeren Lakritzspeicher auf, und zwar in einem der wunderbarsten Läden, den Hamburg zu bieten hat, der Lakritzerie. Überall an den Wänden stehen Gläser, gefüllt mit den leckersten und außergewöhnlichsten Lakritzspezialitäten aus aller Welt: salzig, süß oder würzig, mit Schokoladenüberzug oder kombiniert mit Weingummi, schaumig, weich oder steinhart. Hier geht dem Lakritz-Liebhaber das Herz auf. Mit gefüllten Taschen geht es dann zurück in den Süden, aber allzu lange hält auch dieser Vorrat meist nicht.
Für alle, die jetzt Heißhunger auf das schwarze Gold bekommen haben und in einer ähnlichen Situation stecken, ein kleiner Tipp nebenbei: Die Lakritzerie hat auch einen Online-Shop ...

Über sachdienliche Hinweise, wo und wie man in Karlsruhe und Umgebung an leckeres Lakritz kommt, wäre ich dankbar.