Karlsruhe

Brahms' 1. Sinfonie – ein Hamburger Jung’ begeistert Karlsruher Publikum

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Am letzten Freitag, dem 4. November, gab es in Karlsruhe ein einzigartiges musikalisches Ereignis – und ich war dabei! Die Uraufführung der 1. Sinfonie in c-Moll (op. 68) von Johannes Brahms stand auf dem Programm. Zugegebenermaßen war es „nur“ die Rekonstruktion der Uraufführung der Brahms-Sinfonie, die exakt vor 140 Jahren am 4. November 1876 in Karlsruhe stattfand, aber wann hat man schließlich schon die Gelegenheit, eine musikalische Zeitreise zu unternehmen? Ein paar kleine, ja kaum erwähnenswerte, Unterschiede gab es natürlich zur Uraufführung von 1876:
Statt des Großherzoglichen Hoforchesters war das Karlsruher Barockorchester zu hören, das auf historischen Instrumenten spielte und so die Musik im Originalklang erstrahlen ließ. Anstelle von Opernstar Magdalene Koelle, geb. Murjahn gestaltete Mezzosopranistin Christiane Libor den gesanglichen Teil des Programms. Anstatt Hofkapellmeister Otto Dessoff stand Dirigent Christoph Siebert mit vollem Körpereinsatz am Pult. Außerdem hatte nicht das Haus der Museumsgesellschaft – mittlerweile abgebrannt –, sondern das Karlsruher Konzerthaus an diesem Abend seine Türen für das begeisterte Publikum geöffnet und statt eines namenlosen Pianisten unterstützte Markus Hadulla Christiane Libor auf einem Bechstein-Flügel aus – wie könnte es anders sein – dem Jahr der Uraufführung.

Doch wie kam es dazu, dass – wie Brahms damals an seinen Freund und Karlsruhes Hofkapellmeister Otto Dessoff schrieb – „das Ding [die 1. Sinfonie] zuerst in der kleinen Stadt [Karlsruhe] zu hören“ war?
In seiner Heimatstadt Hamburg machte Brahms nicht die erfolgreiche Karriere als Musiker und Komponist, die er sich wünschte, und kehrte ihr daher 1872 zugunsten von Wien endgültig den Rücken. Von seiner Sommerresidenz in Baden-Baden-Lichtental aus besuchte er jedoch regelmäßig die Fächerstadt Karlsruhe. Durch seine enge Freundschaft zu den badischen Hofkapellmeistern Hermann Levi und Otto Dessoff kam Karlsruhe daher in den Genuss diverser Uraufführungen von Brahms-Werken, darunter eben auch der damals bereits voller Spannung erwarteten 1. Sinfonie, für die sich Brahms viel Zeit gelassen hatte.
Auch im Jahr 2016, auf den Tag genau 140 Jahre später, war diese Spannung wieder greifbar. Neugierig gemacht durch die Konzerteinführung des Musikwissenschaftlers Dr. Joachim Draheim wurde das Publikum wahrlich nicht enttäuscht. Das – wie damals üblich – bunte Programm aus Werken von Beethoven, Weber, Schubert und einiger heute unbekannter Komponisten wurde von allen Mitwirkenden mit musikalischem Können und feinem Gespür präsentiert. Nach der Pause folgte dann der Höhepunkt des Abends. Die Darbietung der Sinfonie begeisterte das Karlsruher Publikum so sehr, dass es das Orchester erst nach anhaltendem Applaus und schließlich einer Zugabe gehen ließ. Ich hatte nichts dagegen. Alles in allem war das ein sehr besonderer Konzertabend, an dem ich eine mir bisher unbekannte Verbindung zwischen meiner Heimatstadt und meiner Wahlheimat Karlsruhe entdecken durfte.

Übrigens: Seine Geburtsstadt Hamburg verließt Brahms zwar irgendwann, dennoch sind die Hamburger nach wie vor sehr stolz auf diesen besonderen Hamburger Jung’. So stolz, dass die 1. Sinfonie sogar als Titelmusik des Hamburg Journals erklingt. Berührt Sie diese Melodie auch so sehr wie mich?

https://www.youtube.com/watch?v=sQRDiNl8tOk

Von Leuchttürmen und Logos

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In letzter Zeit werde ich immer wieder auf mein Logo und meinen Geschäftsnamen angesprochen. „Ach, so im Sinne von ‚Licht ins sprachliche Dunkel‘ bringen?“ Ja, ganz genau. So hatte ich mir das gedacht, nachdem der Name „Sprachlicht“ geboren war. Für mich war sofort klar, dass in dem Logo ein Leuchtturm zu sehen sein muss. Aber warum unbedingt ein Leuchtturm? Eine Kerze, eine Lampe, eine Glühbirne - all das hätte schließlich eine ganz ähnliche Bedeutung gehabt und den Gedanken der sprachlichen Erleuchtung ähnlich passend ausgedrückt.

Ein Leuchtturm (natürlich rot-weiß) macht aber nicht nur optisch etwas her, er drückt auch aus, wer ich bin und woher ich komme, nämlich aus Norddeutschland, genauer gesagt aus der wunderschönen Hansestadt Hamburg. Zwar lebe ich seit vielen Jahren nicht mehr dort, aber in meinem Herzen werde ich immer Hamburgerin bleiben. Hinzu kommt eine nahezu heimatliche Verbundenheit zum nördlichsten aller Bundesländer, Schleswig-Holstein. Mich irritiert es einfach nicht, wenn ich nachmittags um 15 Uhr mit Moin Moin begrüßt werde. Und wer bereits mitten im April im Schnee am Osterfeuer gesessen hat, hat den norddeutschen Glaubensgrundsatz Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung verinnerlicht.

Mittlerweile lebe und arbeite ich als Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin für Englisch in Karlsruhe und tue dies ausgesprochen gern. Der Südwesten Deutschlands kann in vielerlei Hinsicht punkten: wunderschöne Städte voller Geschichte und Kultur, Schlösser und Burgen, Weinberge, freundliche und aufgeschlossene Menschen und natürlich deutlich mehr Sonnenstunden pro Jahr. Ich bin also geblieben und glücklich damit. Schmunzeln musste ich trotzdem, als ich die Liebeserklärung an den Norden der Poetry-Slammerin Mona Harry hörte. Dort heißt es:

„[…]
Bleibt mir weg mit euren Burgen und Bergen,
all den Kirchen zum Beten,
euren kitschigen Schlössern,
den abscheulich schönen Städten
mit diesen schmucken Fassaden in den schmückenden Farben.
Ja, ich geb’ es zu. In Bezug auf geschmackvolle Gebäude kann man eurem Urteil vertrauen.
Ihr habt wahrlich ganz bezaubernde Städte - am falschen Ort aufgebaut!
[…]“
(Vollständig zu sehen gibt es Mona Harrys Liebeserklärung an den Norden hier)


Was erwartet Sie also nun auf meinem Sprachlicht-Blog? Ein bunter Mix aus Erfahrungen und Erlebnissen einer in Süddeutschland gestrandeten norddeutschen Sprachmittlerin, garniert mit sprachlich-kulturellen Hintergrundinformationen, immer im Sinne der Völkerverständigung. Lassen Sie sich einfach überraschen. Ich freue mich darauf!