bestimmter Artikel

Bestimmt oder unbestimmt - das ist die Frage!

Abgesehen von den beschriebenen kulinarischen Grenzen gibt es natürlich auch unzählige sprachliche Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland. Auf die Dialektvielfalt allein im Südwesten will ich aber gar nicht näher eingehen. Die für Einheimische sicher deutlich hörbaren Unterschiede zwischen dem Pfälzischen, Badischen und Schwäbischen sind für mich nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Ich habe für die südwestlichen Dialekte ohnehin eigentlich nur zwei Kategorien, nämlich Habe ich verstanden und Habe ich nicht verstanden.

Nein, ich möchte mich einem ganz anderen Thema widmen. Eine kleine, aber feine sprachliche Besonderheit, die ich - muss ich gestehen - nach 10 Jahren im Südwesten auch größtenteils in meinen Sprachgebrauch übernommen habe und die mich im Norden sofort als eine identifiziert, die wohl schon zu lange im Süden lebt. Ist es Ihnen vielleicht auch schon aufgefallen? Mitten durch Deutschland gibt es eine sprachliche Grenze. Südlich von ihr ist es üblich, dass Eigennamen ein bestimmter Artikel vorangestellt wird. Auch Sprachjournalist Bastian Sick hat dies natürlich schon bemerkt. In seiner beliebten Zwiebelfisch-Kolumne schreibt er zu dem Thema: „Irgendwo zwischen Nord und Süd verläuft eine unsichtbare Grenze, eine Art Äquator, der die deutsche Sprachlandschaft in zwei Hälften teilt: in eine bestimmte und in eine unbestimmte Vornamenszone. Im nördlichen Teil der Republik ist es nicht üblich, Eigennamen einen Artikel voranzustellen.“ Im Süden hingegen heißt es Ich gehe mal kurz zum Aldi oder Ich würde gerne hören, was die Laura dazu meint oder Der Tobias hat der Karin ihr Spielzeug weggenommen und es dann dem Matthias gegeben. Puh, also in meinen Heimatgefilden würden diese Sätze, insbesondere letzterer, Stirnrunzeln oder Belustigung hervorrufen. Der Norddeutsche kommt nämlich sehr gut damit aus, zu Aldi zu gehen und einfach zu hören, was Laura dazu meint. Und Tobias nimmt dort ganz einfach Karin ihr Spielzeug weg und gibt es Matthias. So einfach, so schön.

Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass es im Saarland noch eine interessante Abweichung bei der Artikelverwendung gibt. Für den Saarländer gehört vor einen Frauennamen auch ein Artikel, allerdings kein weiblicher, sondern ein sächlicher. Matthias Stolz verortet diese Besonderheit in seinem Artikel für die Reihe Deutschlandkarte auf Zeit Online übrigens im Pfälzischen und Moselfränkischen. Es scheint also noch verbreiteter zu sein als ich zunächst angenommen hatte. Er schreibt: „Die Dialektsprecher sagen nicht etwa „die Anna“, wie es im Süden des Landes üblich ist, nein, sie sagen „das Anna“, „et Anna“ oder „’s Anna“, benutzen also den sächlichen Artikel.“ Kurios!