Franzbrötchen - eine Hamburger Leckerei

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Was dem Pfälzer seine Dampfnudel ist, ist dem Hamburger sein Franzbrötchen. Sie waren noch nie in Hamburg? Dann werden Sie sich jetzt vielleicht fragen, was das sein soll. Ich kläre auf: Das Hamburger Franzbrötchen ist ein süßes Plunder- oder Hefegebäckstück mit Zimtgeschmack, dass Sie in jeder - ja, wirklich jeder - Hamburger Bäckerei finden werden. Die Hamburger sind so stolz auf diese Spezialität, dass sie sogar regelmäßig Wettbewerbe veranstalten, bei denen sie das leckerste Franzbrötchen der Stadt küren. Woher genau die Bezeichnung Franzbrötchen kommt, ist nicht ganz klar. Böse Zungen behaupten, den Hamburgern wäre vor 200 Jahren beim Backen schlicht und einfach das französische Croissant missglückt. Wohlwollendere Stimmen sind der Ansicht, ein Hamburger Bäcker hätte irgendwann begonnen, das lange Weißbrot der Franzosen in Fett auszubacken, woraus dann das Franzbrötchen entstanden ist. So oder so, es ist etwas Köstliches daraus geworden.

Und hier mein persönliches Franzbrötchen-Rezept (ca. 10-12 Stück) zum Nachbacken:
(Es ist kein aufwändiger Plunderteig, sondern ein einfacher Hefeteig, der wohl keinen Preis bei einem der Franzbrötchen-Wettbewerbe gewinnen würde. Dafür sind die Franzbrötchen damit unkompliziert gemacht und schmecken lecker!)

500 g Mehl in eine Rührschüssel geben, eine Kuhle formen, 200 ml lauwarme Milch hineingießen und einen Würfel frische Hefe darin auflösen. Nach einer Viertelstunde Wartezeit kommen die restlichen Zutaten hinzu:
75 g Butter
50 g Zucker
1 Ei
1 Prise Salz

Alles gut mit dem Knethaken verrühren und den Teig an einem warmen Ort eine halbe Stunde ruhen lassen. Teig erneut durchkneten und nochmals ruhen lassen. Der Teil sollte sich sichtbar vergrößert haben. Den Teig auf ca. 40 x 60 cm ausrollen, mit 75 g weicher Butter bestreichen und mit einer Mischung aus Zucker und Zimt (125 g oder ganz nach Geschmack) gleichmäßig bestreuen.
Dann den Teig von der langen Seite her aufrollen und in 2-3 cm große Scheiben schneiden. Mit einem Holzlöffel oben auf die schmale Kante drücken. Dadurch erhält das Franzbrötchen seine typische Form. Die Franzbrötchen auf ein Backblech legen und nochmals kurz an einem warmen Ort ruhen lassen. Dann bei 220°C (Umluft) auf der mittleren Schiene ca. 15 Minuten backen.

Perfekt zum Kaffee oder Tee. Lassen Sie es sich schmecken!

PS: Die zwei Schätzchen auf dem Bild habe ich neulich in einer Bäckerei auf der Haupteinkaufsstraße in Karlsruhe entdeckt. Gar nicht übel ...

Bestimmt oder unbestimmt - das ist die Frage!

Abgesehen von den beschriebenen kulinarischen Grenzen gibt es natürlich auch unzählige sprachliche Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland. Auf die Dialektvielfalt allein im Südwesten will ich aber gar nicht näher eingehen. Die für Einheimische sicher deutlich hörbaren Unterschiede zwischen dem Pfälzischen, Badischen und Schwäbischen sind für mich nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Ich habe für die südwestlichen Dialekte ohnehin eigentlich nur zwei Kategorien, nämlich Habe ich verstanden und Habe ich nicht verstanden.

Nein, ich möchte mich einem ganz anderen Thema widmen. Eine kleine, aber feine sprachliche Besonderheit, die ich - muss ich gestehen - nach 10 Jahren im Südwesten auch größtenteils in meinen Sprachgebrauch übernommen habe und die mich im Norden sofort als eine identifiziert, die wohl schon zu lange im Süden lebt. Ist es Ihnen vielleicht auch schon aufgefallen? Mitten durch Deutschland gibt es eine sprachliche Grenze. Südlich von ihr ist es üblich, dass Eigennamen ein bestimmter Artikel vorangestellt wird. Auch Sprachjournalist Bastian Sick hat dies natürlich schon bemerkt. In seiner beliebten Zwiebelfisch-Kolumne schreibt er zu dem Thema: „Irgendwo zwischen Nord und Süd verläuft eine unsichtbare Grenze, eine Art Äquator, der die deutsche Sprachlandschaft in zwei Hälften teilt: in eine bestimmte und in eine unbestimmte Vornamenszone. Im nördlichen Teil der Republik ist es nicht üblich, Eigennamen einen Artikel voranzustellen.“ Im Süden hingegen heißt es Ich gehe mal kurz zum Aldi oder Ich würde gerne hören, was die Laura dazu meint oder Der Tobias hat der Karin ihr Spielzeug weggenommen und es dann dem Matthias gegeben. Puh, also in meinen Heimatgefilden würden diese Sätze, insbesondere letzterer, Stirnrunzeln oder Belustigung hervorrufen. Der Norddeutsche kommt nämlich sehr gut damit aus, zu Aldi zu gehen und einfach zu hören, was Laura dazu meint. Und Tobias nimmt dort ganz einfach Karin ihr Spielzeug weg und gibt es Matthias. So einfach, so schön.

Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass es im Saarland noch eine interessante Abweichung bei der Artikelverwendung gibt. Für den Saarländer gehört vor einen Frauennamen auch ein Artikel, allerdings kein weiblicher, sondern ein sächlicher. Matthias Stolz verortet diese Besonderheit in seinem Artikel für die Reihe Deutschlandkarte auf Zeit Online übrigens im Pfälzischen und Moselfränkischen. Es scheint also noch verbreiteter zu sein als ich zunächst angenommen hatte. Er schreibt: „Die Dialektsprecher sagen nicht etwa „die Anna“, wie es im Süden des Landes üblich ist, nein, sie sagen „das Anna“, „et Anna“ oder „’s Anna“, benutzen also den sächlichen Artikel.“ Kurios!

Leben südlich des Lakritzäquators

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Der Weißwurstäquator ist ja den meisten Menschen ein Begriff, auch wenn seine geografische Lage einigen Schwankungen unterliegt, je nachdem, wen man fragt. Fragt man einen Altbayern, ist der Äquator die Donau, fragt man alle Bayern, scheint es der Main zu sein. Überall jenseits des Mains wird Weißwurst eher misstrauisch beäugt. Zu diesen Menschen gehöre übrigens auch ich. Aber das nur am Rande.

Es gibt allerdings neben dem Weißwurstäquator noch eine weitere Grenze, die Nord- und Süddeutschland trennt und laut Angaben namhafter Lakritzhersteller ebenfalls ungefähr am Main verläuft (auch wenn sie meinem Gefühl nach viel, viel weiter nördlich liegt): der Lakritzäquator. Beim Lakritzhersteller SALMIX® heißt es z. B. auf der Website: „Es gibt große Unterschiede in der Beliebtheitsskala von Lakritz zwischen Nord und Süd. Im Norden an den Küsten und in den Hansestädten sind Lakritze - ob süß oder salzig - ein Ganzjahres-Klassiker, beliebt bei Jung und Alt. Im Süden werden süße Weichlakritze geschätzt, aber die intensiveren Varianten haben es schwer in bayrischen Gefilden.“ Tja, und das nicht nur in Bayern ...

Wenn ich auf dem Weg in den Süden durch den Elbtunnel durchgefahren bin und die Autobahnraststätte Hamburg-Harburg hinter mir gelassen habe, beginnt für mich die Lakritz-Wüste. Es gibt dann einfach kein richtiges Lakritz mehr. Richtiges Lakritz ... das schmeckt ganz einfach nach Strand, Deichen und Meer, ist salzig, rau, herb und enthält ganz viel Salmiak. Zur Klarstellung: Lakritzschnecken sind für mich kein richtiges Lakritz. Nein, südlich der Elbe (und da beginnt für den Hamburger bekanntermaßen bereits Süddeutschland) wird diese Leckerei aus Holland und Skandinavien von vielen Menschen verschmäht. Woran liegt das bloß? Ich weiß es nicht und kann es mir nicht erklären. Ich weiß nur, dass es mir fehlt.

Immer wenn ich in Hamburg bin, fülle ich übrigens meine leeren Lakritzspeicher auf, und zwar in einem der wunderbarsten Läden, den Hamburg zu bieten hat, der Lakritzerie. Überall an den Wänden stehen Gläser, gefüllt mit den leckersten und außergewöhnlichsten Lakritzspezialitäten aus aller Welt: salzig, süß oder würzig, mit Schokoladenüberzug oder kombiniert mit Weingummi, schaumig, weich oder steinhart. Hier geht dem Lakritz-Liebhaber das Herz auf. Mit gefüllten Taschen geht es dann zurück in den Süden, aber allzu lange hält auch dieser Vorrat meist nicht.
Für alle, die jetzt Heißhunger auf das schwarze Gold bekommen haben und in einer ähnlichen Situation stecken, ein kleiner Tipp nebenbei: Die Lakritzerie hat auch einen Online-Shop ...

Über sachdienliche Hinweise, wo und wie man in Karlsruhe und Umgebung an leckeres Lakritz kommt, wäre ich dankbar.

Von Leuchttürmen und Logos

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In letzter Zeit werde ich immer wieder auf mein Logo und meinen Geschäftsnamen angesprochen. „Ach, so im Sinne von ‚Licht ins sprachliche Dunkel‘ bringen?“ Ja, ganz genau. So hatte ich mir das gedacht, nachdem der Name „Sprachlicht“ geboren war. Für mich war sofort klar, dass in dem Logo ein Leuchtturm zu sehen sein muss. Aber warum unbedingt ein Leuchtturm? Eine Kerze, eine Lampe, eine Glühbirne - all das hätte schließlich eine ganz ähnliche Bedeutung gehabt und den Gedanken der sprachlichen Erleuchtung ähnlich passend ausgedrückt.

Ein Leuchtturm (natürlich rot-weiß) macht aber nicht nur optisch etwas her, er drückt auch aus, wer ich bin und woher ich komme, nämlich aus Norddeutschland, genauer gesagt aus der wunderschönen Hansestadt Hamburg. Zwar lebe ich seit vielen Jahren nicht mehr dort, aber in meinem Herzen werde ich immer Hamburgerin bleiben. Hinzu kommt eine nahezu heimatliche Verbundenheit zum nördlichsten aller Bundesländer, Schleswig-Holstein. Mich irritiert es einfach nicht, wenn ich nachmittags um 15 Uhr mit Moin Moin begrüßt werde. Und wer bereits mitten im April im Schnee am Osterfeuer gesessen hat, hat den norddeutschen Glaubensgrundsatz Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung verinnerlicht.

Mittlerweile lebe und arbeite ich als Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin für Englisch in Karlsruhe und tue dies ausgesprochen gern. Der Südwesten Deutschlands kann in vielerlei Hinsicht punkten: wunderschöne Städte voller Geschichte und Kultur, Schlösser und Burgen, Weinberge, freundliche und aufgeschlossene Menschen und natürlich deutlich mehr Sonnenstunden pro Jahr. Ich bin also geblieben und glücklich damit. Schmunzeln musste ich trotzdem, als ich die Liebeserklärung an den Norden der Poetry-Slammerin Mona Harry hörte. Dort heißt es:

„[…]
Bleibt mir weg mit euren Burgen und Bergen,
all den Kirchen zum Beten,
euren kitschigen Schlössern,
den abscheulich schönen Städten
mit diesen schmucken Fassaden in den schmückenden Farben.
Ja, ich geb’ es zu. In Bezug auf geschmackvolle Gebäude kann man eurem Urteil vertrauen.
Ihr habt wahrlich ganz bezaubernde Städte - am falschen Ort aufgebaut!
[…]“
(Vollständig zu sehen gibt es Mona Harrys Liebeserklärung an den Norden hier)


Was erwartet Sie also nun auf meinem Sprachlicht-Blog? Ein bunter Mix aus Erfahrungen und Erlebnissen einer in Süddeutschland gestrandeten norddeutschen Sprachmittlerin, garniert mit sprachlich-kulturellen Hintergrundinformationen, immer im Sinne der Völkerverständigung. Lassen Sie sich einfach überraschen. Ich freue mich darauf!